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Gemüse selbst anbauen startet für viele nicht im Beet, sondern auf der Fensterbank: mit der Anzucht. Wer Tomaten, Chilis oder Auberginen vorzieht, ist unabhängiger, spart Geld und hat deutlich mehr Sorten-Auswahl als beim Kauf fertiger Jungpflanzen. In diesem Beitrag zeige ich dir unser Vorgehen bei der Gemüseanzucht – inklusive Equipment, das sich bei uns bewährt hat.
Bevor du mit der Anzucht startest, lohnt es sich zu überlegen, welches Gemüse du anbauen möchtest und wie viel Platz du hast. Ich zeige dir in einem separaten Beitrag Schritt für Schritt, wie du einen Beetplan mit Fruchtfolge erstellst – inklusive praktischer Vorlagen für Garten, Hochbeet oder Balkon.
Welche Gemüsesorten ziehen wir früh vor?
Ende Januar (spätestens Anfang Februar) starten bei uns die ersten Sorten auf der Fensterbank. Dazu gehören zum Beispiel:
- Tomaten
- Chilis
- Auberginen
- Physalis
Bald geht es dann mit weiteren Gemüsesorten weiter – je nach Anbauplan, Platz und Keimtemperatur.

Warum wir Gemüse selbst vorziehen
- Günstiger als Jungpflanzen: Saatgut kostet deutlich weniger als fertige Pflänzchen.
- Mehr Auswahl: Du kannst Sorten anbauen, die es im Handel kaum gibt.
- Saatgut sichern: Mit samenfestem Saatgut kannst du später eigenes Saatgut gewinnen.
- Macht einfach Spaß: Keimlinge beim Wachsen zu beobachten ist jedes Jahr wieder spannend.

Gemüse vorziehen: Schritt-für-Schritt-Anleitung
1) Gemüse und Menge festlegen
Überlege, was du anbauen willst (und wie viel). Das hängt von deinem Platz (Beete/Hochbeet/Balkon) und davon ab, wie viel du wirklich verbrauchen kannst. Als Orientierung hilft dir mein Beitrag: Beetplan mit Fruchtfolge erstellen (inkl. Vorlagen).
2) Die richtige Aussaaterde nutzen
Für die Anzucht brauchst du Aussaaterde (Anzuchterde). Sie ist nährstoffarm und nicht vorgedüngt – genau richtig für zarte Wurzeln. In zu nährstoffreicher Erde können junge Wurzeln Schaden nehmen. Später, wenn du pikierst/umsetzt, kannst du auf andere Erde wechseln.
3) Erde sterilisieren (optional, aber bei uns Standard)
Erde aus dem Baumarkt wird oft nicht optimal gelagert. Dadurch können sich Schimmelsporen und Schädlinge (vor allem Trauermücken) einschleichen. Wir sterilisieren Anzuchterde daher im Backofen: 20 Minuten bei 200 °C, danach komplett abkühlen lassen.
4) Gefäße/Anzuchtplatten vorbereiten
Die Gefäße sollten nicht zu groß sein, weil die Pflanzen später ohnehin pikiert/umgesetzt werden. Wir nutzen dafür Quickpots/Anzuchtplatten*. Sie sparen Platz und machen das spätere Umsetzen deutlich einfacher.
5) Erde einfüllen und gut anfeuchten
Fülle die (abgekühlte) Erde in die Anzuchtgefäße und durchfeuchte sie gründlich. Die Erde setzt sich dabei noch etwas. Oben lassen wir etwa 1 cm Platz.
6) Samen ausbringen (mit Abstand)
Je nach Sorte geben wir 1–4 Samen pro Topf in die Erde. Ein Pikierstab* kann helfen, die Samen sauber zu platzieren.
7) Samen abdecken
Decke die Samen passend zur empfohlenen Saattiefe (steht auf der Tüte) mit Erde ab. Manche Samen sind Lichtkeimer und dürfen nur ganz leicht bedeckt werden.
8) Beschriften
Beschrifte unbedingt, was du ausgesät hast. Das ist besonders wichtig, wenn du viele Sorten gleichzeitig anziehst. Wir nutzen dafür wiederverwendbare Schilder und einen wasserfesten Stift.
9) Gießen: sanft statt „wegschwemmen“
Zum Angießen nutzen wir eine Sprühflasche*. So werden Samen nicht weggespült und die Oberfläche bleibt gleichmäßig feucht. Wir sprühen in der Keimphase morgens und abends (je nach Raumklima) und nutzen dafür gern Regenwasser.

Wo stelle ich die Anzucht hin?
Du kannst die Anzucht auf eine helle Fensterbank stellen – wichtig ist aber ausreichend Licht und die passende Temperatur. Wir verlassen uns nicht nur auf natürliches Licht, sondern nutzen zusätzlich ein Pflanzenlicht*. Für wärmeliebende Sorten stehen unsere Anzuchtplatten auf einer Wärmeplatte*. Achte dabei unbedingt auf die Keimtemperatur, die auf der Saatgut-Verpackung steht.
Wie lange bleiben die Keimlinge in den kleinen Töpfen?
Die Keimlinge bleiben so lange in den kleinen Töpfen, bis sie kräftig genug sind und ein stabiles Wurzelsystem gebildet haben. Je nach Sorte dauert das unterschiedlich. Sobald die Pflänzchen zu eng stehen oder die ersten echten Blätter (nach den Keimblättern) da sind, wird pikiert.

Saatgut richtig lagern
Saatgut sollte kühl, dunkel und trocken gelagert werden. Wir verwenden dafür kleine Filmdosen*, beschriften sie und können sie jedes Jahr wiederverwenden.
Häufige Fragen zur Gemüseanzucht
Warum soll Anzuchterde nährstoffarm sein?
Keimlinge brauchen am Anfang vor allem ein stabiles, feines Substrat und Feuchtigkeit. Zu viele Nährstoffe können zarte Wurzeln stressen. Sobald die Pflanze kräftiger ist, wird in nährstoffreichere Erde umgesetzt.
Muss ich Erde wirklich sterilisieren?
Nein, aber es kann dir viel Ärger ersparen – vor allem Trauermücken und Schimmel. Wenn du sehr hochwertige, sauber gelagerte Anzuchterde nutzt, ist es weniger kritisch. In der Wohnung ist es aber oft hilfreich.
Wie oft gieße ich Keimlinge?
In der Keimphase sollte die Oberfläche gleichmäßig feucht bleiben, ohne nass zu sein. Eine Sprühflasche ist ideal. Wie oft du sprühst, hängt von Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Standort ab.
Persönliche Empfehlung: Pflanzkalender zum Mitsäen

Wenn du beim Start in den Gemüsegarten eine einfache Orientierung suchst, kann ein Pflanzkalender helfen, damit du weißt, was wann ausgesät, gepflanzt und geerntet werden kann – ohne Erntelücken.
→ Hier geht’s zum lückenlosen Pflanzkalender *
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